szmmctag

  • 15) Ganz weit draussen - April bis Juli 2010

    Waehrend der verspaeteten Regenzeit fallen in unserer Gegend fast alle Sommertrachten aus. Direkt nach der Regenzeit kommt hier eine recht haeufige Eucalyptusart in Bluete: das Bloodwood, kein Spitzenhonig, aber eine gute Entwicklungstracht. Doch das sonst so verlaessliche Bloodwood setzt zwar Knospen an, wirft sie aber ungeoeffnet ab. Die Regenzeit faengt nicht nur zu spaet an, sondern hoert auch zu frueh auf. Unser ganzes Stammgebiet kommt in punkto Regen in dieser Saison zu kurz.

    Ein Blick auf monatliche Niederschlagskarten des amtlichen Wetterbueros zeigt, dass es in allen Richtungen besser ist, Norden, Westen und Sueden, nur nicht bei uns. Wir gehen also im April verstaerkt auf Suche, diesmal mit einem Radius von ueber 400 km. Der Norden, kurz vor Cooktown, hatte eine gute Regenzeit. Genauso der Westen in der Gegend um Georgetown. Doch dort finden wir keine Winterblueher. Vermutlich ist es dort zur Trockenzeit, also im Winter, normalerweise so extrem trocken, dass sich keine winterbluehenden Arten halten koennen. Doch wir finden was schoenes im Sueden.

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    Die Grey Box ("Grauer Buchsbaum"), Eucalyptus persistens, kommt in ganz Zentral-Queensland vor; im Norden reicht ihr Verbreitungsgebiet bis etwa 150 km suedlich von uns. Leider war es in unserem Stammplatz in Valley of Lagoons so trocken, dass sie dieses Jahr dort nicht blueht. Doch in Greenvale, nochmal knapp 100 km weiter suedlich. ist die Bluete unwahrscheinlich ueppig. Die Grey Box ist dem hier sehr kargen Boden und sehr geringen Niederschlaegen angepasst. Dementsprechend wachsen die Baeume sehr langsam.

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    Alte Exemplare sehen oft recht knorrig aus. Mich erinnern sie deshalb ein bischen an Eiben.

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    Insgesamt muessen wir fast 300 km fahren und dummerweise wird gerade jetzt der Highway repariert - schoen fuer die naechsten Jahre, doch jetzt recht laestig mit 12 Baustellen-Ampeln. Bei so einer Strecke lohnt sich das Hinfahren nur, wenn wir dort auch uebernachten. Fuer Dunja und mich bedeutet das einen Kurzurlaub im Bush, quasi auf Firmenkosten. Allerdings nicht besonders teuer - wir schlafen einfach unter freiem Himmel; trotz der Jahreszeit (Winter) geht es nachts kaum unter 16 Grad und der Sternenhimmel ist hier gigantisch.

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    Auf der Suche nach Stellplaetzen entdecken wir zufaellig einen Bienenstand eines Kollegen - mitten im "Nirgendwo". Er hat sich unwahrscheinlich viel Muehe gemacht, aus einem alten Kuehlschrank eine Beute zu basteln.

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    Unterwegs und direkt am Bienenplatz sehen wir jede Menge interessante Tiere; hier Emus und Adler.

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    Auf der Strasse treffen wir immer wieder auf sogenannte Road Trains, Sattelschlepper mit bis zu drei Anhaengern, ausserdem breiter als normale Fahrzeuge. Wenn einem so ein Ding entgegenkommt, faehrt man gerne ganz weit links, eher auf dem Kies-Seitenstreifen. Dieser hier hat fast tausend Rinder gelanden, auf dem Weg von einer der riesigen Cattle Stations zum Schlachthof.

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    Grey Box ist, wie viele unserer Winterblueher, eine "Selbstmord-Tracht". Diese Eucalyptus-Arten haben nur wenig Pollen mit Rohproteingehalten unter 20%. Oft produzieren sie ueber zwei oder drei Monate sehr ergiebig Nektar. Die Voelker sammeln grosse Mengen Honig, fliegen sich entsprechend stark ab und schraenken die Brut immer mehr ein, werden also immer schwaecher. Die Situation ist wohl vergleichbar mit einer Waldtracht in Mitteleuropa. Dem versuchen wir gegezusteuern mit Pollenersatzfuetterung. Wir mischen etwa 25% Sojamehl, 25% Bierhefe und 50% Zucker mit etwas Zitronensaeure und ein paar aetherischen Oelen zu einer Pampe die wir direkt auf die Brutwaben quetschen.

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    Die Bienen sind auch wirklich scharf drauf; innerhalb einer Woche verschwindet das etwa halbe Kilo.

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    Normalerweise kann man bei starken Voelkern durch Pollenersatzfuetterung die Volksstaerke in einer guten Nektartracht erhalten. Nun sind aber unsere Voelker bereits von Anfang an schon geschwaecht, nach einem halben Jahr magerer Ernaehrung. Unsere Hoffnung, mit Pollenersatzfuetterung und einer guten Nektartracht die Voelker zu entwickeln, wird leider nicht erfuellt. Die Voelker werden im Laufe der Wochen immer noch schwaecher. Honig wird hauptsaechlich im Brutraum eingelagert; eine Ernte kommt trotz der fast vier Monate lang andauernden Bluete nicht zustande. Vermutlich hat auch der haeufige starke Suedostwind die Nektarproduktion trotz reicher Bluete stark eingeschraenkt.

    Ende August holen wir also resigniert unsere 110 Voelker wieder ab. Sie sehen dann aus wie ueberwinterte Ableger.
    Doch der Gedanke, dass dort unten eine massive Grey Box - Bluete OHNE unsere Voelker stattgefunden hatte, waere unertraeglich gewesen.

  • 14) Beim Imkerverein - Maerz 2010

    Gleich zwei Wochen nach meiner Ankunft in Australien, im Maerz '09 werde ich zur Monatsversammlung des lokalen Imkervereins mitgenommen. "Lokal" bedeutet hier eigentlich das ganze Far North Queensland, also eine Flaeche nur etwas kleiner als ganz Deutschland. Allerdings konzentriert sich die Bevoelkerung und damit auch die Imkerei in der Suedost-Ecke um Cairns, daher "Cairns & District Beekeepers Association". Dennoch fahren die ca. 65 Mitglieder bis zu 200 km zu den Versammlungen.

    Um die Fahrtkosten ein bischen gerechter zu verteilen, werden die monatlichen Versammlungen jedes mal woanders, bei einem Mitglied zu Hause, abgehalten. Der Gastgeber kuemmert sich dann um Tee und Kuchen. B)
    Die meisten Mitglieder sind sogenannte Kleinimker, viele davon Anfaenger. Besonders begehrt ist daher immer die praktische Vorfuehrung, hier an Graham's Jungvoelkern, noerdlich von Cairns. Die Koeniginnen hatte er bei mir gekauft; alles recht entspannt; super Werbung fuer mich! :D

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    Trish's Voelker (bei Innisfail) sehen in punkto Sanftmut ganz anders aus. Sie sind genetisch "Ferals", also aus der in Australien recht dichten ausgewilderten Population. Schleier werden gleich schon in der Einladung empfohlen; mich haben sie ordentlich zernagelt. Zweck der Vorfuehrung ist hier sinnvollerweise Umweiseln.

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    Rechts mit Smoker: Trevor Weatherhead, der Praesident des Dachverbandes Queensland Beekeepers Association bei uns zu Besuch.

    Da ich immer recht treu zu den Versammlungen komme und auch schon mal eine praktische Vorfuehrung geleitet habe, wird mir bereits ein Jahr nach meiner Ankunft ein frei werdendes Vorstandsamt angedreht: Schriftfuehrer. Solche Dinge laufen wirklich weltweit nach den gleichen Gesetzmaessigkeiten... ;)

    Hier noch ein paar Bilder von der Weihnachtsfeier. Dass es sich um Weihnachten handelt, erkennt man an der Schuerze des Grill-Meisters. :p

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  • 13) Regenzeit - Februar 2010

    In den Tropen haben wir Sommerregen. Regen und Wolkendecke zur Zeit der staerksten Sonneneinstrahlung verhindert ueberhohe Temperaturen. Melbourne an der australischen Suedkueste am 38. Breitengrad, also im warm-gemaessigten Klima, hatte letztes Jahr Rekordtemperaturen von 48 Grad Celsius. Wir am 17. Breitengrad dagegen haben gerade mal 33 Grad erreicht; der Jahrhundertrekord liegt bei etwa 37 Grad. Normalerweise beginnt die Regenzeit mit immer haeufiger werdenden Gewittern im November. Anfang Januar geht es dann in teilweise wochenlangen Monsunregen ueber. Auch die trockeneren Gegenden bekommen ordendlich Wasser ab.

    2009 faellt die Gewitterzeit total aus. Der Regen kommt in unserer Gegend erst Mitte Januar 2010. Im Regenwald, der in der Trockenzeit normalerweise ein Bienenparadies ist, wird es dann zu nass. Die Bienen kommen nicht gut mit der extremen Luftfeuchtigkeit zurecht und die Befahrbarkeit ist auch mit Allradfahrzeugen keine Freude mehr. Spaetestens zu Beginn der Regenzeit muessen also alle Bienenstaende in den Trockenwaldbereich umgesiedelt werden. Der Trockenwald erzeugt auch die hochwertigen Eucalyptus-Honige. Allerdings fuehrt die ausgefallene Gewittersaison und der verspaetete Monsun dazu, dass fast alle sonst recht ueppigen Sommertrachten ausfallen. Nur in einer Gegend in halbwegs erreichbarer Naehe finden wir geeignete Plaetze mit frueherem Regen und, so dachten wir, demnaechst bluehenden Baeumen: Mount Molloy, etwa 90 km noerdlich von unserem Wohnort Atherton. Ende Januar siedeln wir also die komplette Koeniginnenzucht auf zwei Plaetze bei Mount Molloy um. Jetzt in der bereits etwas fortgeschrittenen Regenzeit ist alles sattgruen, was sonst braun und trocken ist.

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    Die Pflegevoelker stehen auf einer Barramundi-Farm. Normalerweise sind Farmer froh wenn jemand Bienen auf ihr Grundstueck stellen will, da ja die Ernte durch die Bestaeubungsleistung der Bienen normalerweise verbessert wird. Nur in diesem Fall zog das Argument mit der Bestaeubung nicht. Barramundi ist nun mal ein hochwertiger Speisefisch... :D

    03_Barramundi

    Trotzdem ist der Eigentuemer mit unseren Bienen gluecklich. Das Grundstueck ist riesig und nur ein kleiner Teil davon wird fuer die Fischteiche genutzt; die Bienen stoeren nicht und wir bringen oefters mal eine 3kg-Flasche Honig vorbei.
    Hier sieht man die Fischteiche mit verankerten Schaufelrad-Belueftern und teilweise mit Vogelschutznetzen.

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    Direkt bei den Bienen habe ich noch einen kuenstlich aufgestauten "privaten Badesee", hier als "dam" bezeichnet, der urspruenglich als Trinkwasserspeicher fuer Rinder gebaut wurde. Da die Rinder aber aufgegeben worden sind, ist das Wasser wunderbar klar.

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    Ich nutze diesen Platz nur fuer Pflegevoelker, die mit - immer noch provisorischen - Cloake Boards ausgestattet sind. Daneben habe ich noch ein paar Reservevoelker und natuerlich die Zuchtmuetter.

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    Ein paar Kilometer weiter stehen die Begattungsvoelker in einer wenig genutzten Kiesgrube. Ich kann die Kaestchen auf einer etwa 150 m langen voellig ebenen gekiesten Flaeche ausbreiten. Zum Bearbeiten traumhaft!

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    Zum Jahreswechsel hatte ich ein Entscheidungsproblem, das man aus Europa so nicht kennt: Ab wann gehoert eine Koenigin zum naechsten Jahrgang? Nach dem 31. Dezember umgelarvt, geschluepft oder in Eilage? Da wir zwischen Weihnachten und Neujahr einen kleinen Strandurlaub machen und ich deswegen 2 Wochen nicht umlarven kann, nehme ich diesen Einschnitt als Jahrgangswechsel. Somit habe ich erst Anfang Februar die ersten blauen Koeniginnen. Eigentlich waere es sinnvoller, die Zeichenfarbe zur Wintersonnenwende (21. Juni) zu wechseln.

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    Fuer den Verkauf nehme ich die amerikanischen JZ BZ Kaefige; wahrscheinlich die praktischsten weltweit.

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    Zum Transport nehme ich ein "Esky" aus Styropor, das relativ gut isoliert ist; natuerlich mit Luftloch. Wenn die Koeniginnen nach Cairns sollen, lege ganz unten einen Eisbeutel hinein. Die Kuestenebene ist dann doch im Sommer ein bischen zu warm. Die Kaefige werden in eine Steckleiste gesteckt.

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    Leider haelt sich auch in Mt Molloy die Bluehfreudigkeit der Baeume sehr in Grenzen. Hauptgrund ist der seit Mitte 2009 ueberdurchschnittlich starke Suedostwind. Mt Molloy gilt eigentlich als wind-arm. Doch dieses Jahr ist es ganz oft fast unertraeglich. Einige kurze Schoenwetterperioden bringen Erleichterung. Sobald der Wind nachlaesst, gibt es Nektar wie hier vom breitblaettrigen Teatree; ueppig Nektar und hochwertiger Pollen.

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    Ein besonders gutes Zeichen sind die wunderschoenen Lorikeets, kleine Papageien, die sich von Nektar ernaehren. Wo man Lorikeets sieht oder hoert (ziemlich laut) sind ergiebige Nektarquellen.

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    Dennoch laeuft die Entwicklung der Bienenvoelker in Mt Molloy langsam bergab mit gelegentlichen Zwischenhochs. Mt Molloy ist zwar unser bester Platz, doch in diesem Jahr heisst das nicht viel. So muss ich gegen Ende April tatsaechlich eine Winterpause bis Anfang Juli einlegen. 2009 waren die Voelker um diese Zeit fast normal stark.

  • 12) Bienenfeinde - Januar 2010

    Wir haben hier in Australien keine Varroa - immer noch nicht - auch wenn uns bewusst ist, dass sie jeden Tag eingeschleppt werden kann. Ausserdem auch keine Tracheenmilben und keine Braula. Der Kleine Beutenkaefer steht allerdings vor der Haustuer. Er vermehrt sich am besten in den feuchteren Kuestenebenen. Noch gut 150 km nach Norden und dann noch ueber das Kuestengebirge, dann haben wir ihn auch. Das kann hoffentlich noch ein paar Jahre dauern, wenn inzwischen keiner auf die Idee kommt, aus dem Sueden Voelker hereinzubringen...
    Ansonsten haben wir so ziemlich alle Krankheiten und Parasiten, die man aus Europa kennt. AFB scheint hier in eher milderen Formen praesent zu sein. In letzter Zeit - Regenzeit mit teilweise recht hoher Luftfeuchtigkeit - finde ich immer wieder Voelker mit signifikanter Kalkbrut.
    Hauptgrund fuer das Eingehen von Voelkern ist hier immer noch: Weisellosigkeit.

    In punkto Krankheiten und Parasiten haben wir also im wesentlichen nicht-letale Faktorenkrankheiten. Hauptfaktor ist Mangelernaehrung, vor allem Mangel an hochwertigem Pollen. Es gibt hier Eucalyptusarten, die manchmal ueber Monate ergiebigen Nektar liefern. Wenn der Regenfall stimmt und ein Gebiet ueber einige Jahre nur maessig oder gar nicht geblueht hatte, kann es zu monatelangen Massenertraegen kommen. Allerdings arbeiten sich die Voelker dabei zugrunde, vergleichbar mit einer Waldtracht in Europa. Viele Eucalyptusarten (gerade die mit dem meisten Nektar) haben im Pollen Rohproteingehalte unter 15%. Die meisten Imker gehen immer mehr zum Fuettern von Pollenergaenzungsstoffen ueber. Wir bei Gagarra haben letzte Woche damit angefangen - mal sehen ob es was hilft.

    Insgesamt ist die Situation in punkto Krankheiten und Parasiten angenehm entspannt. Dafuer haben wir hier echte Fressfeinde, von denen einige unter bestimmten Umstaenden den Bienen ganz schoen zu schaffen machen koennen. Einen vermutlich voellig harmlosen Untermieter von Bienenstaenden habe ich "Small Hive Frog" getauft.:D

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    Manchmal finde ich bis zu 6 oder 7 Stueck zwischen den Bienenkaesten, wo die Froesche tagsueber den schattigen Spalt aufsuchen, wo sie vor Voegeln geschuetzt sind. Ich habe sie noch nie im Kasten gefunden und ich glaube nicht, dass sie den Bienen etwas zuleide tun. Nur wenn ich an den Bienen arbeite, huepfen sie in Panik gelegentlich mitten in die Bienen, die ihnen aber offenbar nichts tun. Der Smoker ist diesem hier dann doch zu heiss.:D

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    Etwas laestiger sind diverse Spinnenarten. Hier ein "Golden Orb Weaver".

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    Die Netz-Faeden glaenzen golden und sind so stark, dass sich gelegentlich kleine Voegel darin verfangen und verenden. Die Spinne muss allerdings warten bis sie verhungert sind, da sie nicht besonders effektiv beissen kann. Natuerlich haben diese Spinnen keinen nennenswerten Effekt auf die Volksstaerke von Bienen. Nur die Tatsache, dass sie fast immer genau in Gesichtshoehe sitzen, kann einen dann gelegentlich etwas zurueckschrecken lassen, wenn man das Viech im letzten Moment sieht und fast auf der Nase sitzen hat.88|

    Eine wirkliche Plage dagegen sind die Cane Toads, Zuckerrohrkroeten, auch Agakroeten genannt.

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    1935 kam ein schlaues Koepfchen auf die Idee, diese Tiere aus Mexico einzufuehren um eine Plage von Zuckerrohr-schaedigenden Kaefern zu bekaempfen, alles im Rahmen eines Regierungsprogramms. Cane Toads haben diese Aufgabe nie erfuellt. Stattdessen haben sie sich in Massen ueber die feuchtere, waermere Haelfte des Kontinents verbreitet. Manchmal kann man nachts dutzende im Garten finden und die Strassen sind voll davon. Cane Toads sind ausgesprochen giftig, wenn man versucht sie zu fressen. Das hat vielen Wild- und Haustieren das Leben gekostet. Ausserdem werden einheimische Amphibien zurueckgedraengt. Heute beisst man sich in den Hintern, dass die damaligen Behoerden nicht auf den Imkerverein gehoert haben, der damals vor der Einfuehrung gewarnt hatte. Cane Toads koennen nachts ganze Bienenbaerte abweiden, die den starken Voelkern in der warmen Jahreszeit aus den Flugloechern haengen. Aus diesem Grund sind wir heute gezwungen, die Beuten auf relativ hohe Staender zu stellen.

    Zwei Ameisenarten koenen unter bestimmten Umstaenden einem Bienenvolk zum Verhaengnis werden. Einmal die "Green Ants", deren Nester in Baeumen haengen. Blaetter werden mit Spinnfaeden zu einer Nisthoehle verwoben.

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    Schwaechere Bienenvoelker koennen von einer Uebermacht von Green Ants ueberwaeltigt werden. Sie lassen nichts essbares im Stock zurueck.

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    Zum anderen haben wir boden-nistende "Meat Ants". Ein klein-Finger-dickes Loch im Boden, ohne jeden Huegel, fuehrt zum Nest.

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    Wie der Name andeutet, lassen sie nichts fleischliches liegen. Alles, was nicht mehr weglaeuft, wird zerlegt oder ganz ins Nest geschleppt.

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    Selbstverstaendlich koennen sie gerne den Totenfall vor den Beuten wegraeumen. Doch wenn ich sehe, dass sie zu den Flugloechern vordringen und dort mit den Bienen raufen, kippe ich schon mal boese Fluessigkeiten in ihre Nesteingaenge. >:-[

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    Vermutlich der schlimmste Fressfeind ist der "Rainbow Bee Eater". Ein wunderschoener Vogel! Vor allem, wenn man ihn gegen die Sonne im Flug betrachtet, schillern die Fluegel regenbogenfarben.

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    Bienenfresser sind etwas groesser als Schwalben und koennen mindestens genauso gewandt fliegen. Wenn sie einen anderen Speiseplan haetten, waere es eine wahre Freude sie zu beobachten. Meistens sitzen sie auf einem exponierten Ast eines Baumes in der Naehe der Beuten, stuerzen sich herab, schnappen eine Biene und kehren zurueck auf den Ast (oder eine Stromleitung) um sie zu fressen.

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    Zu bestimmten Jahreszeiten, von April bis Juni, sind Schwaerme von hunderten von Bienenfressern in Kuestennaehe auf der Durchreise vom suedlichen Australien nach Neu-Guinea. Bienenvoelker koennen ernsthaft dezimiert werden. Problematisch ist auch, dass sie den Flug weitgehend einstellen, wenn zu viele Bienenfresser aktiv sind. Zum Glueck haben wir in der schlimmsten Jahreszeit unsere Voelker eh tendenziell im kuestenferneren Trockenwald. Einen wirklichen Effekt auf Paarungserfolge von Koeniginnen habe ich bisher noch nicht gespuert.

    Einen weiteren ungebetenen Gast haben wir hier in der Cairns-Region (mindestens) seit Mai 2007: die Apis cerana, vermutlich eingeschleppt aus Indonesien. In einem "Ausrottungsprogramm", das bisher 1 Mio $ gekostet hat wird versucht, die Cerana-Voelker zu vernichten. Bisher wurden etwa 85 Voelker und Schwaerme gefunden und zerstoert. Die gute Nachricht: an keinem der Cerana-Voelker wurden bisher Milben gefunden und sie stammen alle aus der gleichen Quelle. Eigentlich muesste man sich damit keine Sorgen mehr machen. Auf dem asiatischen Festland und in Indonesien stellen Cerana-Bienen an sich kein Problem dar. Es ist eher so, dass dort die eingefuehrte Mellifera die einheimische Cerana zurueckdraengt. Das weiss hier allerdings keiner, oder will es nicht wissen. Stattdessen geht die Schreckensmeldung um, dass auf einigen Teilen der Solomoninseln die Mellifera von der Cerana zurueckgedraengt wird.

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    Wir haben hier in der Region eine Sperrzone, die "Asian Honeybee Restricted Area". Jeder Transport von Bienen oder Beutenteilen in diese Zone hinein oder innerhalb dieser Zone muss erst von einem Ministerialbeamten genehmigt werden. Genehmigungen fuer Transporte aus der Zone heraus gibt es nicht. Zum Glueck sind unsere Tracht-Gruende nur zu einem kleinen Teil betroffen und wir haben alle Bienen ausserhalb.Dennoch fahre ich fast taeglich durch und wohne ausserdem am suedlichen Rand davon. Theoretisch muss ich bis zu 100.000 $ Bussgeld zahlen, wenn ich ohne Genehmigung mit einem Kasten voller Waben auf der Ladeflaeche erwischt werde. Die Genehmigungen werden zwar zuegig und kostenlos erteilt, doch es ist ziemlich laestig. Fuer Transporte von Koeniginnen in die Zone hinein habe ich eine monatliche Genehmigung.
    Australischer Buerokratismus stellt oft in seiner Unsinnigkeit den deutschen in den Schatten. :crazy: Doch der Umgang in der Praxis damit ist recht locker: Tu, was Du fuer richtig haelst und sprich nicht darueber! Es gibt auch keine Strassenkontrollen oder aehnliches. Wenn man allerdings mit einer Ladung Bienen durch eine Kleinstadt faehrt, sollte man sich schon die Muehe machen, das ganze mit einer Plane abzudecken. ;)

    Die Abwesenheit der Varroa und die Hoffnungslosigkeit des Ausrottungsprogramms - inzwischen haben sich die Cerana-Voelker ueber 100 km ausgebreitet, das meiste davon recht unzugaengliches Gebiet - wird vermutlich bald dazu fuehren, dass die Cerana als etabliert erklaert wird und die Sperrzone aufgehoben wird. Das kann dann wiederum dazu fuehren, dass der japanische/nordamerikanische/europaeische Buerokratismus zuschlaegt: Man hat mal wieder einen Grund den Import von australischen Koeniginnen und Kunstschwaermen einzuschraenken - fuer nix und wieder nix!

  • 11) Reconnaissance - Dezember 2009

    Wann blueht eigentlich der Blue Gum?
    Wenn ihm danach ist!

    Solche oder aehnliche Antworten bekommt man, wenn man als naiver Neuankoemmling aus Europa nach den Bluetezeiten der hiesigen Honigpflanzen fragt. Wenn ich erzaehle, dass in Oberbayern der Loewenzahn fast garantiert zwischen dem 20. und 25. April zu bluehen beginnt, denken sie hier ich erzaehle "bullshit".

    Eine unserer wertvollsten Honiglieferanten, die Grey Box, kann in wirklich jedem Monat des Jahres bluehen, an manchen Standorten vorzugsweise von November bis Januar, an anderen tendenziell eher zwischen Mai und August. Ganz so krass sind die meisten anderen eher nicht. Sie bluehen normalerweise innerhalb eines 3 - 4 monatigen Intervalls. Dazu kommt allerdings, dass eine lohnende Menge an Blueten an einem gegebenen Standort nur alle 2 bis 4 (oder mehr) Jahre auftritt. Das ganze wird alles recht fein reguliert durch Schwankungen in Temperatur und Niederschlag; ohne dass das jemand wirklich versteht und nachvollziehen kann.

    Mit unseren Bienen decken wir ein riesiges Gebiet ab. Ausgehend vom Standort des Imkereibetriebs mit Honigernte und -verarbeitung in Tumoulin sind es etwa 160 Fahrkilometer bis zum noerdlichsten Standort, den ich bis jetzt erlebt habe, in Mount Carbine. Mehr als 200 km sind es bis zum suedlichsten in Valley of Lagoons.

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    (Ihr koennt das Satellitenbild in besserer Ausfloesung betrachten, wenn ihr draufklickt, dann nochmal draufklicken und "original" auswaehlen.)
    Man sieht auf dem Satellitenbild recht gut die scharfe Grenze zwischen dem sattgruenen Regenwald entlang der Kueste und auf den kuestennahen Bergen, und dem trockenen Eucalyptuswald oder auch "Bush" genannt. Von etwa Anfang August bis Mitte Dezember ist es im Bush zu trocken. Nur wenige Arten bluehen dann; ausserdem ist die Feuergefahr teilweise recht hoch. Die Bienen werden dann auf etwa 8 Plaetze im Regenwaldgebiet verteilt. Dazu reicht ein etwa 10 km Radius von Tumoulin, Richtung Osten voellig aus. Ab Ende Juli bluehen die Avocados auf den Farmen und ab September blueht im Regenwald hier fast immer was in den meisten Jahren, 2009 war sogar dafuer zu trocken. Nur: "Rainforest Honey" ist als eher minderwertig angesehen; er ist recht dunkel und schmeckt oft etwas "krass". Richtig wertvoll sind die verschiedenen Eucalyptushonige.

    Vom Boden aus betrachtet sieht der Trockenwald mit den dominierenden Eucalyptusbaeumen bei weitem nicht so karg aus wie auf dem Satellitenbild. Der Abstand zwischen den Baeumen ist viel groesser als im Regenwald; dazwischen waechst Gras.

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    Je nach Bodenfruchtbarkeit und Niederschlagsmuster kann der Abstand auch noch viel groesser sein. Hier einige unserer wichtigsten Lieferanten fuer Honige allerhoechster Qualitaet.

    Ironbark - Eucalyptus crebra
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    Molloy Box - Eucalyptus leptophleba

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    Grey Box - Eucalyptus persistens

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    "Box" hat nichts mit Schachteln oder Faustkampf zu tun, sondern ist englisch fuer Buchsbaum. Allerdings ist die Aehnlichkeit schon sehr weit hergeholt.

    Um geeignete Standorte zu finden sind wir in den entsprechenden Jahreszeiten oft tagelang unterwegs. Tagestouren, sogenannte reconnaissance trips, mit ueber 300 km hatten wir vor allem von November bis Januar oft woechentlich. Es geht darum Plaetze mit genuegend umfangreichen und dichten Baumbestaenden zu finden, die gerade oder in absehbarer Zeit satt zu bluehen beginnen. Ausserdem muss der Platz mit dem (leider nicht Allrad) Truck zugaenglich sein, was besonders jetzt in der Regenzeit nicht so selbstverstaendlich ist.

    Nur manchmal haben wir den Luxus asphaltierter Strassen.

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    Im schlimmsten Fall sehen die Strassen etwa so aus - auch im trockenen Zustand nicht fuer den Truck geeignet.

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    Auf diesen tausenden von abgefahrenen Kilometern finden wir natuerlich nicht nur das wonach wir suchen. Seltsame Felsformationen, wie ein Huenengrab.

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    Andere, die aussehen wie ein praehistorisches Haus, oder Tempel?- kann aber nicht sein.

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    ...mit eigenartigen Baeumen davor, die direkt aus dem Felsen zu wachsen scheinen, mit recht huebschen gelben Blueten.

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    Wunderschoene Wasserloecher mit Teatrees.

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    Fuer den Autofreak ein paar sehenswerte Oldtimer.

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    Und natuerlich jede Menge wilde Tiere.

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    Das eigentliche Kucken ist gar nicht so einfach. Eucalyptusblueten sind, bis auf wenige Ausnahmen, recht unscheinbar, meistens cremeweiss und recht klein. Hier: Grey Box

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    Noch unscheinbarer sind die Knospen; das eigentliche Ziel unserer Suche. Hier: Ironbark

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    Mann muss wirklich bewusst danach suchen und ein Auge dafuer haben. Selbst dann geht es meistens nicht ohne Fernglas.

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    Diese Grund-Koerperhaltung ist natuerlich nicht gerade ergonomisch. Dunja war dann auch klar warum wir oft am Tag nach einem Reconnaissancetrip Kopfschmerzen haben als sie die Fotos sah 8|. Aber mit Physiotherapeut im Haus bekomm' ich ja ganz einfach so bei Bedarf eine Nackenmassage und gut ist's ;)

    Ganz wichtig noch: There's nothing like a cup o' tea in the bush!
    Und Brotzeit natuerlich, die hier in Australien "Smoko" heisst, warum auch immer.

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    Haben wir dann geeignete Plaetze gefunden, wird mit dem Grundstuecksbesitzer bzw. Cattle Station Paechter klar gemacht, ob es fuer ihn OK ist. Dabei hatten wir eigentlich noch nie Probleme; oft bekommen wir sogar Tipps, wo noch bessere Stellen sind. Die wirklichen Favoriten und manchmal auch Stellen, die evtl. in der Zukunft mal interessant werden koennen, werden mit GPS erfasst und zusammen mit Notitzen gespeichert.
    Verladen, Transport und Abladen der Bienen findet alles bei Nacht statt. Wir wollen ja, dass sie alle zu Hause sind. ;)

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  • 10) Eine Belegstelle im Regenwald - Oktober bis Dezember 2009

    Die Drohnen auf der Belegstelle Tinaroo Hills waren schnell "verbraucht". Obwohl 35 starke Voelker vorhanden waren und eine leichte Tracht herrschte, blieben die Koeniginnen ab der dritten Serie bis ueber vier Wochen unbegattet. Offenbar hat der "Winter" doch einen gewissen Effekt. In Zukunft muss ich mich um das Thema Drohnenaufzucht kuemmern. Nur: ganz am Anfang, ganz ohne eigene Koeniginnen, hatte ich noch keine Gelegenheit dazu.

    Andererseits hat dieser lehrreiche Fehler auch eine positive Seite: Es ist keine Kunst hier mitten im Winter starke Drohnenvoelker heranzuziehen, in warmen Ecken an Kuerbisfeldern oder aehnliches. Das ganze dann in Hochlagen gebracht muesste eine recht sichere Paarungskontrolle ermoeglichen. Aber natuerlich nur mit rechtzeitiger sorgfaeltiger Vorbereitung, und Paarungstests ohne Drohnenvoelker. Verwilderte Voelker gibt es hier in recht grosser Dichte und koennen u.U. gerade die Sanftmut stark beeintraechtigen.

    Ende August wird also die ganze Belegstelle umgezogen nach Windy Hill bei Ravenshoe. Der gut 1000 m hoch gelegene Windy Hill liegt am suedwestlichen Rand der Tablelands, aber noch richtig im Regenwald, in der Naehe von Tumoulin wo Rod Marti's Betrieb seine Zentrale hat (siehe Eintrag "Hoher Besuch").

    Die Begattungsableger koennen hier recht grosszuegig ueber eine Kuh-Weide direkt am Rand des dichten Regenwaldes verteilt werden.

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    Im Hintergrund sieht man die Wind-Farm.

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    "Windy Hill" klingt eigentlich nicht wirklich nach einem guenstigen Platz fuer Koeniginnen-Begattung. Die Belegstelle befindet sich in einem Tal daneben und ist durch den naechsten Huegel gut windgeschuetzt. Als Drohnenvoelker stehen in 600 m Entfernung 80 Voelker von Rod zur Verfuegung. Sie kommen gerade gut genaehrt aus einer Macadamia-Tracht und haben jede Menge Drohnen. Der Sanftmut und Farbe nach zu urteilen scheint die Begattung recht rein zu sein; Einfluss von den "ferals" wurde man sehen bzw. spueren.

    Ich benuetze inzwischen auch 4-Waben-Ablegerkaesten aus dem Fundus von Rod's Betrieb.

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    Im September kann ich die Zahl der Begattungsableger (je 3 oder 4 Langstrothwaben) mehr als verdoppeln. Das habe ich der Sarsaparilla zu verdanken. Gemeint ist Alphitonia petrei, ein kleinerer Baum, der uebervoll ist mit nektar- und pollenreichen Blueten. Rod's Honigvoelker nehmen 20 - 30 kg zu.

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    Doch ab der ersten Oktoberwoche ist es damit wieder vorbei. In normalen Jahren honigt der hoch gelegene Regenwald mindestens bis Januar so dahin. Keine so massive Tracht wie von der Sarsaparilla, doch eine schoene dahinplaetschernde gute Versorgung und meistens etwa eine Kiste pro Volk zum Schleudern.
    Was da so alles blueht, weiss man nicht genau. Der Regenwald ist recht undurchdringlich, die Blueten meistens ganz oben in den Kronen, ziemlich unerreichbar. Einige Nektarlieferanten habe ich ein bischen genauer studiert.

    Lemon Aspen - Acronychia acidula ist eine Rutacee, also mit den Citrus verwandt. Lemon Aspen ist ein eher kleinerer Baum. Blaetter oder Rinde riechen stark nach Zitrone, wenn man sie zerquetscht.

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    Silky Oak - Cardwellia sublimis gehoert zu den Proteaceen, verwandt mit Macadamias und Grevilleas. Silky Oak ist ein sehr begehrtes Holz mit wunderschoener Maserung.

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    Wheel Of Fire - Stenocarpus sinuatus, ebenfalls eine Proteacee. Einige Baeume stehen mitten auf dem eigentlichen Windy Hill, ziemlich schraeg aber dennoch gesund und bluehend. Sie scheinen den Wind recht gut auszuhalten.

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    Proteaceen sind eine Gondwana-Familie, kommen also vor allem in Suedamerika, Afrika und Australien vor. Viele Arten leifern dermassen viel Nektar, so dass man Tropfen auf die Hand bekommt, wenn man einen Bueschel Blueten mit der anderen schuettelt. Im Trockenwald ist die Gattung Grevillea recht verbreitet, meist Straeucher im Unterwuchs der Eucalyptusbaeume. Grevilleas, Macadamias und Silky Oaks haben traubenfoermige Bluetenstaende, das Wheel of Fire dagegen echte Dolden.

    Leider haben wir dieses Jahr von Oktober bis Dezember einen recht anhaltenden trockenen und kuehlen Suedostwind, der die Nektarproduktion stark einschraenkt. Nach der rasanten Vermehrung und Entwicklung im September duempeln die Voelker, abgesehen von kurzen Zwischenperioden mit leichter Besserung, zweieinhalb Monate mehr schlecht als recht dahin. So ein schlechtes Rainforest-Jahr hat Rod noch nie gesehen. Es ist auch an anderen Standorten im 20 km Umkreis nicht anders.

    Dennoch zuechte ich die ganze Zeit ueber Koeniginnen. Normalerweise eine Serie pro Woche, insgesamt 30 Serien von Anfang Juni bis Weihnachten. Zwischen 10 und 40 Stueck pro Woche kann ich die meiste Zeit ueber an Imker der Region verkaufen.

  • 9) Native Bees - September 2009

    Honigbienen - also unsere europaeischen - sind ja nun nicht "native" in Australien, sondern wurden ab 1822 aus Europa eingefuehrt. Doch es gibt hier die sogenannten "tropischen stachellosen Bienen", vor allem aus der Gattung Trigona.

    "Stachellos" klingt erstmal recht verlockend. Doch leider koennen sie Nektar nicht bis zur wirklichen Haltbarkeit (max. 18% Wasser) trocknen. Der Honig hat um die 25% Wasser, ist also sehr duennfluessig und nicht lange haltbar. Ausserdem produziert ein Volk maximal 1 kg pro Jahr. Also etwas fuer ein Hobby, vielleicht. Natuerlich wurde der Honig von den Aborigines gesammelt - die honig-gefuellten Nester sind als "Sugarbag" bekannt.

    Ich habe eine kleine Bilderserie an den Sonnenblumen an unserem Haus gemacht.
    Hier unsere "fleissige" Honigbiene

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    Die native Trigona ist viel kleiner

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    Nochmal im Groessenvergleich

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    Size matters? ;)

    Der Honigertrag und vor allem die Qualitaet ist fuer Honiggewinnung indiskutabel. Doch fuer die Bestaeubung sind die kleinen Tierchen ziemlich gut. Die Werbung, dass Honigbienen fuer die Erzeugung von allerlei Obst und Gemuese absolut noetig sind, mag vielleicht weiter im Sueden stimmen, wo es recht wenig bzw. keine stachellose Bienen gibt. Aber wenn ich mir hier die Sache z.B. an den Avocado- und Macadamiablueten anschaue, muss ich gestehen, dass es ohne Honigbienen wahrscheinlich kaum anders sein wird. Aber das muss man ja den Farmern nicht auf die Nase binden! ;)

    Leider habe ich bis jetzt kein Sugarbag gefunden, um's zu fotografieren.

  • 8) Fruehjahr wird's - August 2009

    Auch wenn wir tagsueber mit T-Shirt und kurzen Hosen rumlaufen, haben wir trotzdem immer noch Winter. Bienenvoelker sind normalerweise im Mai und Juni in einer etwas ruhigeren Phase mit weniger Brut. Anfang Juli - so hat man mir gesagt - bricht alles in Bluetenmassen aus: Avocados, Macadamias (die superleckeren Nuesse), Lychees (die im Deutschen uebliche Schreibweise "Litschis" fuehlt sich fuer mich ganz gruselig an), Mangos und Citrusfruechte. Und die Bienenvoelker entwickeln sich wie Dampfnudeln.

    ... Normalerweise ...

    Aber dieses Jahr ist (mal wieder?) das Wetter "out of whack".
    Die Mangos bluehen immerhin seit Mitte Juli, haben aber fuer Bienen leider kaum Nektar oder Pollen; sie sind wohl tendenziell eher windbestaeubt. Die interessanten Dinge lassen sich unendlich Zeit. In den letzten Julitagen habe ich gerade mal die allerersten Lychee-, Macadamia- und Avocado-Blueten gesehen. Diese drei produzieren eine sehr ergiebige Nektar- und Pollentracht, die den Bienen einen enormen Entwicklungsschub geben. Nur leider hoere ich einen ganzen Monat lang "...just about to flower..."
    Hier stehen ein paar meiner Jungvoelker direkt vor einer beachtlichen "fast bluehenden" Lychee-Plantage.

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    Hier ein paar Lychee-Detailfotos.

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    Lychee-2

    Gleich um die Ecke habe ich die Voelker stehen, die die Koeniginnen aufziehen. Inzwischen habe ich keine weisellosen "Einweg-Pflegevoelker" mehr, sondern Dauerpfleger mit provisorischem Cloake-Board.

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    Das "Brandzeichen" ist meine Registriernummer als Imker in Queensland. Recht praktisch als Diebstahl-Vorbeugung und auch wenn man aus irgendeinem Grund wissen moechte, wem irgendwelche Voelker gehoeren.

    Im August ziehe ich die Pflegevoelker um auf eine Avocadofarm. Diese liegt naeher; ich muss nicht so weit fahren wie zu den Lychees.

    cell builders - avocado

    Auch Avocados haben nicht gerade spektakulaere Blueten, dafuer aber sehr viel davon.

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    Aus den vielen Blueten einer Rispe etwickeln sich nur wenige zu Fruechten. Hier ein spaeteres Foto vom Januar.

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    Avocadohonig ist ausgesprochen fuerchterlich. Aber den Bienen geht’s gut. Und darum geht es ja bei Pflegevoelkern. Die schlupfreifen Zellen bringe ich zur 40 km entfernten Belegstelle in einem "Esky". Eskys, also Kuehlboxen, sind hier weit verbreitet.

    esky with cells

    Zum Abfedern von Stoessen fuelle ich das Esky locker mit Hobelspaenen. Im Winter habe ich ganz unten eine Flasche mit heissem Wasser eingebuddelt. Im Sommer ist das hier nicht noetig.
    Schlupfreife Weiselzellen werden im Winter auf die Belegstelle gebracht - das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen ! B)

  • 7) Hoher Besuch - Juli 2009

    Anfang Juli hatten wir die Jahreshauptversammlung der Queensland Beekeepers Association in Cairns, zum ersten mal so weit im Norden. Nach 2 Tagen ueblichem Versammlungsablauf mit interessanten Vortraegen und ganz vielen Abstimmungen ueber gaaaanz wichtige Dinge (gaehn) gab es noch eine Bustour mit fast 100 Teilnehmern entlang der Kueste und hoch in die Tablelands. Ich bin da auch mitgefahren. Es war ein sehr eigenartiges Gefuehl: Ich nehme an einer Touristen-Tour teil, die durch die Gegend fuehrt, in der ich selber lebe, allerdings erst seit ein paar Monaten. Wie einheimisch genau bin ich jetzt eigentlich gerade, im Gegensatz zu all den Australiern, von denen die meisten aus der Gegend um Brisbane (1800 km entfernt) stammen?;)
    Hier bei einem Stop am "Windy Hill" bei Ravenshoe mit Australiens derzeit groesster "Wind Farm". Wind farms sind hier noch so exotisch, dass man extra einen riesigen Parkplatz zur "wind farm view" angelegt hat.

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    Spaeter wurde dann Rod Marti's Betrieb "Gagarra Honey" besichtigt. Da ich inzwischen um die 15 – 20 Wochenstunden fuer Gagarra arbeite, bin ich auch hier nicht mehr Besucher, sondern schon fast zu Hause.
    Der fuer Imkereibetriebe ungewoehnlich hohe Standard an Sauberkeit und Organisation laesst einige Kollegen nachdenklich werden.

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    Hier Rod mit Randy Oliver aus Californien, der uns ein paar sehr gute Vortraege ueber Varroa-Resistenzzucht-Zucht gehalten hat ("ihr kriegt sie schon noch!") Ich weiss nicht ob er mein Spezialrezept zur Varroabekaempfung, naemlich den Kontinent zu verlassen und nach Australien zu gehen, in kommenden Vortraegen vorschlagen wird. :D

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    Und dann gab's endlich ein gigantisches Barbecue.

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  • 6) First Queens - Juli 2009

    37 von 45 Koeniginnen der ersten Serie waren in Eilage :p:p:p
    Ist diese hier nicht wunderschoen?

    first queen

    Eigentlich ist das besser als ich es aus Mitteleuropa kenne. Offenbar haben sich diese Burschen hier...

    BeeEater

    ...etwas zurueckgehalten. Sie sind zwar ebenfalls wunderschoen, aber ich hab' sie lieber weit weg!

    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Zeit bis zur Eilage ein bisschen lange dauert. Es heisst, dass Koeniginnen frueh im Jahr recht bald begattet werden; mit fortschreitender Saison dauert es immer laenger. Nun habe ich diese Serie Koeniginnen ziemlich genau zur Wintersonnenwende zur Begattung aufgestellt. Ist das nun extrem frueh oder wahnsinnig spaet im Jahr?? ;)

    Beim Vorbereiten der zweiten Serie hat man mich ausgeraeuchert.
    Das stattliche Zuckerrohr bei Cabassi’s Pumpkin Patch war in der letzten Woche geerntet worden.

    sugar cane2sugar cane1

    Und genau als ich hochkonzentriert die winzigen Larven umgeloeffelt habe, ist denen eingefallen, dass sie die Reste des Zuckerrohrs am Boden abfackeln muessen.:##
    Der Wind hat den Rauch ueber den Kuerbis geblasen und ich hab' unter Traenen fertiggeloeffelt. Den Weg habe ich gerade eben noch gefunden als ich abgehauen bin und das Ute stank noch lange nach Rauch, weil ich nicht geistesgegenwaertig genug war, die Fenster rechtzeitig hochzukurbeln. :`(

    Die ersten Koeniginnen habe ich seit Anfang Juli verkauft. Hier die allererste Koenigin, die gerade rituell an Maurie verkauft wird. Maurie ist ja gewissermassen der Pate meines Business:p

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    Der 20$ - Schein wird nie ausgegeben, haengt an der Wand, so ungefaehr wie Dagobert Duck's Glueckstaler :DD

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    Irgendwie habe ich Koeniginnen (wenn in kleinen Stueckzahlen) immer fuer 20 verkauft. 20 Mark, 20 Euro und jetzt 20 Dollar. Laut aktuellem Kurs sind 20$ zwar nur ca. 13 Euro , aber die meisten Sachen die in Deutschland z.B. 1 Euro kosten, bekommt man hier fuer etwa 1 Dollar, mit einigen Ausnahmen natuerlich.

    Ebenfalls im Juli habe ich gegen Varroa behandelt...

    VarroaSurveillance1

    Natuerlich haben wir hier keine Varroa!!!
    Aber um sich dessen auch sicher zu sein, werden an einigen hundert Stellen im Land regelmaessig ausgewaehlte Voelker mit Bayvarol (aus Deutschland) behandelt und der Abfall auf einer klebrigen Unterlage unter Gitter gesammelt und auf Milben kontrolliert. Rod Marti nimmt an diesem Projekt teil und hat mich gebeten, die Sache durchzufuehren.

    VarroaSurveillance2

    - War natuerlich milbenfrei!:)

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