Waehrend der verspaeteten Regenzeit fallen in unserer Gegend fast alle Sommertrachten aus. Direkt nach der Regenzeit kommt hier eine recht haeufige Eucalyptusart in Bluete: das Bloodwood, kein Spitzenhonig, aber eine gute Entwicklungstracht. Doch das sonst so verlaessliche Bloodwood setzt zwar Knospen an, wirft sie aber ungeoeffnet ab. Die Regenzeit faengt nicht nur zu spaet an, sondern hoert auch zu frueh auf. Unser ganzes Stammgebiet kommt in punkto Regen in dieser Saison zu kurz.
Ein Blick auf monatliche Niederschlagskarten des amtlichen Wetterbueros zeigt, dass es in allen Richtungen besser ist, Norden, Westen und Sueden, nur nicht bei uns. Wir gehen also im April verstaerkt auf Suche, diesmal mit einem Radius von ueber 400 km. Der Norden, kurz vor Cooktown, hatte eine gute Regenzeit. Genauso der Westen in der Gegend um Georgetown. Doch dort finden wir keine Winterblueher. Vermutlich ist es dort zur Trockenzeit, also im Winter, normalerweise so extrem trocken, dass sich keine winterbluehenden Arten halten koennen. Doch wir finden was schoenes im Sueden.
Die Grey Box ("Grauer Buchsbaum"), Eucalyptus persistens, kommt in ganz Zentral-Queensland vor; im Norden reicht ihr Verbreitungsgebiet bis etwa 150 km suedlich von uns. Leider war es in unserem Stammplatz in Valley of Lagoons so trocken, dass sie dieses Jahr dort nicht blueht. Doch in Greenvale, nochmal knapp 100 km weiter suedlich. ist die Bluete unwahrscheinlich ueppig. Die Grey Box ist dem hier sehr kargen Boden und sehr geringen Niederschlaegen angepasst. Dementsprechend wachsen die Baeume sehr langsam.
Alte Exemplare sehen oft recht knorrig aus. Mich erinnern sie deshalb ein bischen an Eiben.
Insgesamt muessen wir fast 300 km fahren und dummerweise wird gerade jetzt der Highway repariert - schoen fuer die naechsten Jahre, doch jetzt recht laestig mit 12 Baustellen-Ampeln. Bei so einer Strecke lohnt sich das Hinfahren nur, wenn wir dort auch uebernachten. Fuer Dunja und mich bedeutet das einen Kurzurlaub im Bush, quasi auf Firmenkosten. Allerdings nicht besonders teuer - wir schlafen einfach unter freiem Himmel; trotz der Jahreszeit (Winter) geht es nachts kaum unter 16 Grad und der Sternenhimmel ist hier gigantisch.
Auf der Suche nach Stellplaetzen entdecken wir zufaellig einen Bienenstand eines Kollegen - mitten im "Nirgendwo". Er hat sich unwahrscheinlich viel Muehe gemacht, aus einem alten Kuehlschrank eine Beute zu basteln.
Unterwegs und direkt am Bienenplatz sehen wir jede Menge interessante Tiere; hier Emus und Adler.
Auf der Strasse treffen wir immer wieder auf sogenannte Road Trains, Sattelschlepper mit bis zu drei Anhaengern, ausserdem breiter als normale Fahrzeuge. Wenn einem so ein Ding entgegenkommt, faehrt man gerne ganz weit links, eher auf dem Kies-Seitenstreifen. Dieser hier hat fast tausend Rinder gelanden, auf dem Weg von einer der riesigen Cattle Stations zum Schlachthof.
Grey Box ist, wie viele unserer Winterblueher, eine "Selbstmord-Tracht". Diese Eucalyptus-Arten haben nur wenig Pollen mit Rohproteingehalten unter 20%. Oft produzieren sie ueber zwei oder drei Monate sehr ergiebig Nektar. Die Voelker sammeln grosse Mengen Honig, fliegen sich entsprechend stark ab und schraenken die Brut immer mehr ein, werden also immer schwaecher. Die Situation ist wohl vergleichbar mit einer Waldtracht in Mitteleuropa. Dem versuchen wir gegezusteuern mit Pollenersatzfuetterung. Wir mischen etwa 25% Sojamehl, 25% Bierhefe und 50% Zucker mit etwas Zitronensaeure und ein paar aetherischen Oelen zu einer Pampe die wir direkt auf die Brutwaben quetschen.
Die Bienen sind auch wirklich scharf drauf; innerhalb einer Woche verschwindet das etwa halbe Kilo.
Normalerweise kann man bei starken Voelkern durch Pollenersatzfuetterung die Volksstaerke in einer guten Nektartracht erhalten. Nun sind aber unsere Voelker bereits von Anfang an schon geschwaecht, nach einem halben Jahr magerer Ernaehrung. Unsere Hoffnung, mit Pollenersatzfuetterung und einer guten Nektartracht die Voelker zu entwickeln, wird leider nicht erfuellt. Die Voelker werden im Laufe der Wochen immer noch schwaecher. Honig wird hauptsaechlich im Brutraum eingelagert; eine Ernte kommt trotz der fast vier Monate lang andauernden Bluete nicht zustande. Vermutlich hat auch der haeufige starke Suedostwind die Nektarproduktion trotz reicher Bluete stark eingeschraenkt.
Ende August holen wir also resigniert unsere 110 Voelker wieder ab. Sie sehen dann aus wie ueberwinterte Ableger.
Doch der Gedanke, dass dort unten eine massive Grey Box - Bluete OHNE unsere Voelker stattgefunden hatte, waere unertraeglich gewesen.

















































































































